{"id":106,"date":"2011-12-24T07:14:28","date_gmt":"2011-12-24T06:14:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/?page_id=106"},"modified":"2011-12-24T11:40:27","modified_gmt":"2011-12-24T10:40:27","slug":"die-waschkuchenweihnacht","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/?page_id=106","title":{"rendered":"Die Waschk\u00fcchenweihnacht"},"content":{"rendered":"<p>Die Zeit vor Weihnachten liebte ich immer besonders. All die Vorbereitungen die eigentlich dazu da waren um das Fest besonders werden zu lassen; das schm\u00fccken der Fenster, das Backen, die kleinen Aufmerksamkeiten f\u00fcreinander und die Musik. Auch heute noch kann ich nicht genug kriegen von den Weihnachtsliedern und selbst wenn ich sie wochenlang jeden Tag im Gesch\u00e4ft ununterbrochen h\u00f6rte und ihre Reihenfolge, ja sogar die Tonart in der sie begannen auswendig kannte, liebte ich sie am hl. Abend noch immer. Und ich liebte auch all die Erz\u00e4hlungen und Begebenheiten die sich rund um Weihnachten ereignet hatten, wenn der Geist des Weihnachtsfestes, die Liebe, das Herz der Menschen ber\u00fchrt hatte.\u00a0Immer wieder erlebte ich die Ver\u00e4nderungen, wenn ein Herz liebevoll ber\u00fchrt wurde und immer wieder bem\u00fchte ich mich, die Menschen dazu hinzuf\u00fchren, ihnen zu zeigen, dass es noch die Liebe gab und was f\u00fcr ein wunderbares Gef\u00fchl es war, Liebe zu schenken.<\/p>\n<p>In meiner Kindheit hielten wir zu Hause Adventfeiern ab. \u00dcber dem K\u00fcchentisch hing ein riesiger Adventkranz. Bei Kerzenlicht sa\u00dfen wir zusammen und sangen Weihnachtslieder. Meine Mutter begleitete uns auf der Gitarre und sp\u00e4ter spielte mein Bruder auf der Blockfl\u00f6te dazu. Jeder von der Familie hatte einen kleinen Teller mit Weihnachtskeksen und Schokolade, die er verspeisen durfte w\u00e4hrend die Eltern uns etwas vorlasen.\u00a0Ich hatte diese Tradition beibehalten. Unsere Adventkr\u00e4nze waren aus Platzmangel nicht so gro\u00df, aber sonst war es wie damals.\u00a0Als mir die guten Geschichten f\u00fcr Weihnachten ausgingen, begann ich eigene Erlebnisse aufzuschreiben und als ich schon einiges beisammen hatte wollte ich die Bewohner unserer Anlage an einer Weihnachtsfeier teilhaben lassen. Ich wollte ihnen eine Freude machen. Dass diese Veranstaltung nicht in unserem Wohnzimmer stattfinden konnte war mir klar. Ich musste einen geeigneten Raum finden.<\/p>\n<p>Die Wohnungen waren etwa alle gleich angelegt. Es war kein Wohnraum zu finden der gro\u00df genug gewesen w\u00e4re. Ich erinnerte mich, da\u00df neben unserem Fahrradkeller ein gro\u00dfer leerer Raum gewesen war. Als ich mit der Hausmeisterin dar\u00fcber sprach, teilte sie mir mit, dass dieser schon lange nicht mehr existierte. Ein Mieter hatte sich den Raum abgeteilt und eine Hobbywerkstatt eingerichtet.\u00a0Der einzige Platz der noch \u00fcbrig blieb war die Waschk\u00fcche im Haus vis a vis.\u00a0\u201eWeihnachtsfeier in der Waschk\u00fcche?\u201c Ich sch\u00fcttelte zweifelnd den Kopf. \u201cWie soll da eine Weihnachtsstimmung aufkommen mit dem riesigen Kobel vor Augen!\u201c st\u00f6hnte ich.\u00a0\u201eH\u00e4ng einfach ein gro\u00dfes Leintuch dr\u00fcber.\u201c sagte mein Mann \u201eUnd wenn dann die Lichter aus sind und nur die Kerzen brennen, wenn du deine Geschichten und Gedichte bringst, wenn ihr gemeinsam singt und der Geist der Weihnachten in eure Herzen kommt, dann werdet ihr nicht mehr daran denken, dass ihr in der Waschk\u00fcche seid.\u201c<\/p>\n<p>Ein tiefer Seufzer kam aus meiner Brust.\u00a0\u201eHoffentlich hast du Recht.\u201c\u00a0Ich schob alle meine Zweifel beiseite und ging ans Werk.<br \/>\nDer Einsatz der ganzen Familie war von N\u00f6ten. Mein Sohn machte die Einladungen am Computer und h\u00e4ngte sie in den Stiegenh\u00e4usern auf. Mit meiner Tochter fertigten wir Bilder mit denen wir die kahlen W\u00e4nde in der Waschk\u00fcche verzieren wollten, wir buken jede Menge Kekse und mein Mann musste das Geld verdienen, um das Material zu kaufen. \u00a0Wir gingen von Haus zu Haus und von T\u00fcr zu T\u00fcr um die Leute einzuladen. Ich wollte eigentlich auch, dass sie etwas dazu beitrugen, sei es dass sie etwas erz\u00e4hlten, vorlasen oder wie auch immer, aber niemand sollte sich dazu verpflichtet f\u00fchlen; ich freute mich auch, wenn sie nur da waren.\u00a0Es gab viele Unentschlossene, viele Absagen, aber auch einige Interessierte.\u00a0Au\u00dfer Heidi gab es niemanden der an dem Programm mitwirken wollte. Die Gestaltung des Abends w\u00fcrde an mir h\u00e4ngen bleiben, aber das machte mir nichts aus.\u00a0\u201eWie viele auch immer kommen m\u00f6gen\u201c sagte ich \u201esie werden einen unvergesslichen Abend verbringen\u201c<\/p>\n<p>Eine Waschk\u00fcche ist zum W\u00e4schewaschen vorgesehen und nicht als Kulturraum Es gab keine Sitzb\u00e4nke und auch keine Heizung. Auf meinen Einladungen hatte ich gebeten eine Sitzgelegenheit mit zu nehmen und ein Trinkgef\u00e4\u00df, denn auch davon hatte ich nicht genug f\u00fcr alle.\u00a0Am Tag unserer Weihnachtsfeier brachte ich in aller Fr\u00fche unseren Radiator in die Waschk\u00fcche und steckte ihn an. Am Vormittag wurde noch gewaschen. Ich hatte die Frau angefleht den Radiator angesteckt zu lassen, damit es am Abend nicht so kalt war. Aber vergebens. Sie wollte nicht kommen und hatte auch kein Interesse an den Stromkosten die der Radiator verursachte und auf 55 Parteien aufgeteilt w\u00fcrde beteiligt zu werden.\u00a0Als ich am Nachmittag von der Arbeit kam und sah, dass der Heizk\u00f6rper abgesteckt war, war ich sehr entt\u00e4uscht und auch ver\u00e4rgert.\u00a0\u201eWie kann man nur so kleinlich sein und den anderen alles vermiesen wollen!\u201c\u00a0war ich entr\u00fcstet. Ich hatte gute Lust die Feier abzusagen, aber was konnten die anderen daf\u00fcr. Ich holte tief Luft.\u00a0\u201eSo! Und jetzt erst Recht!\u201c So leicht wollte ich mich nicht klein kriegen lassen.<\/p>\n<p>Wir holten noch das Heizgebl\u00e4se aus unserer Wohnung. Dann begannen wir die Waschk\u00fcche zu dekorieren. N\u00e4gel durften wir keine einschlagen, aber wir n\u00fctzten jedes vorhandene H\u00e4kchen um Nylonschn\u00fcre kreuz und quer zu spannen. Dar\u00fcber h\u00e4ngte ich meine goldenen Sterne, die Weihnachtsgirlanden und Lametta. Die riesige Waschmaschine verschwand unter einem wei\u00dfen Leintuch. Obenauf stellte ich eine Kerze und eine Schale mit Obst. Mit Stecknadeln befestigte ich kleine Tannenzweige auf dem Tuch. Die h\u00f6lzernen Waschtr\u00f6ge wurden umgest\u00fclpt, mit Tischt\u00fcchern zugedeckt und das B\u00fcffet darauf angerichtet. Ich h\u00f6hlte \u00c4pfel aus und steckte Kerzen und Reisig hinein.\u00a0Allm\u00e4hlich wurde es warm. Mit meinem Sohn trug ich den riesigen Einkochtopf, der nun mit duftendem Tee gef\u00fcllt war in den Keller und stellte ihn mit einem Sch\u00f6pfer zum B\u00fcffet.\u00a0Heidi brachte einen kleinen Tisch auf dem sie ihre Zither aufstellte und auch ihre Gitarre hatte sie mitgebracht. Ich hatte s\u00e4mtliche Noten von Weihnachtsliedern kopiert damit alle mitsingen konnten.\u00a0Und dann kamen die Leute, mit Sessel und H\u00e4ferl ger\u00fcstet setzten sie sich zu uns.<\/p>\n<p>Wir begannen p\u00fcnktlich. Das elektrische Licht erlosch. Heidi spielte auf der Zither und gemeinsam sangen wir \u201eEs wird scho glei dumpa\u201c. Die goldenen Sterne \u00fcber unseren K\u00f6pfen schaukelten lautlos. Die Flammen der Kerzen spiegelten sich darin und brachten sie zum Leuchten. Als es die erste Weihnachtsgeschichte gab war es muks m\u00e4uschen still. Die Kinder sa\u00dfen mit gro\u00dfen staunenden Gesichtern da und die Erwachsenen hatten rote Wangen und gl\u00e4nzende Augen. Wie ich sie so alle anblickte, merkte ich, dass der Geist der Weihnacht sie gefangen hatte, und dass sie vergessen hatten, dass sie in der Waschk\u00fcche waren\u2026..<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doris Pikal<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeit vor Weihnachten liebte ich immer besonders. All die Vorbereitungen die eigentlich dazu da waren um das Fest besonders werden zu lassen; das schm\u00fccken der Fenster, das Backen, die kleinen Aufmerksamkeiten f\u00fcreinander und die Musik. 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