{"id":84,"date":"2011-12-24T06:55:04","date_gmt":"2011-12-24T05:55:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/?page_id=84"},"modified":"2011-12-24T11:37:56","modified_gmt":"2011-12-24T10:37:56","slug":"eine-morgenbertachtung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/?page_id=84","title":{"rendered":"Eine Morgenbetrachtung"},"content":{"rendered":"<p>Die alte Fernsehantenne vor dem Fenster schaukelte als sich ein Vogel darauf setzte. Das Gestell rieb sich an der Mauer. Das sanfte Kratzen weckte mich aus dem leichten Schlaf. Vorsichtig riskierte ich ein Auge um zu sehen, was f\u00fcr ein Tag mich erwartete. Das St\u00fcckchen Himmel, das ich vom Bett aus sehen konnte war st\u00e4hlern blau. Die Birken vor dem Nachbarhaus wiegten sich leise im Wind, in den Spitzen der Zweige schimmerten die ersten Sonnenstrahlen auf den Bl\u00e4ttern.<br \/>\nEine Meise machte sich an den letzten Resten des Futterkn\u00f6dels zu schaffen. Geschickt lie\u00df sie sich vom Metallger\u00fcst der Antenne auf das Netz nieder flattern, und w\u00e4hrend sie mit dem Schnabel durch die Maschen hineinstocherte, schaukelte sie hin und her und verursachte jenes Ger\u00e4usch, das mich geweckt hatte. Ich freute mich, dass sie immer noch kam, obwohl meine Katze wiederholt versucht hatte sie zu erwischen.<\/p>\n<p>Unbewusst fuhr meine Hand \u00fcber die Decke neben mir und mir fiel auf, dass mein Mann noch nicht nach Hause gekommen war. Hoffentlich war ihm nichts passiert. Auch wenn er ein guter Autofahrer war und stets zu \u00e4u\u00dfern pflegte, dass \u201eUnkraut\u201c nicht vergeht, so machte ich mir jedes Mal aufs neue Sorgen, wenn er zu einer bestimmten Zeit noch nicht zu Hause war. Dann betete ich immer. Ich horchte nach drau\u00dfen und manchesmal h\u00f6rte ich das dumpfe Brummen des Dieselmotors, wenn er in unsere Stra\u00dfe einbog. Erleichtert seufzte ich auf, wenn ich kurz danach h\u00f6rte, wie sich der Schl\u00fcssel im Schloss drehte. \u201eWieder mal Gl\u00fcck gehabt\u201c sagte ich mir und schalt mich einen Narren weil ich mich ge\u00e4ngstigt hatte.<\/p>\n<p>Wenn er so zeitig kam, dass ich noch nicht aufstehen musste, brachte er mir die k\u00fchle Frische des jungen Morgens; ich schenkte ihm daf\u00fcr die W\u00e4rme und Geborgenheit der vergangenen Nacht. Wenn wir einander etwas zu erz\u00e4hlen hatten so sprach er stets von einem \u201eHeute\u201c das f\u00fcr mich schon gestern war. Wenn er mich bat morgen etwas f\u00fcr ihn zu erledigen, so wusste ich, dass er diesen Tag meinte. Wenn ich aber noch mal einschlief und sp\u00e4ter meine Erledigungsliste durchging war ich mir nicht mehr so sicher ob \u201emorgen\u201c schon \u201eheute\u201c oder erst \u201emorgen\u201c war. Wenn ich dann in das Zimmer kam und nachfragen wollte, schlief er tief und fest.<\/p>\n<p>Da lag er nun; ein riesen Lakl von einem Mann, und doch wirkte er so hilflos und verletzbar, wie ein kleines Kind. Nein, ich wollte ihn jetzt nicht wecken. Morgen, wenn er ausgeschlafen war, also heute Mittag. Behutsam deckte ich ihm die F\u00fc\u00dfe zu, die immer unter der Decke hervorstanden. Ein beif\u00e4lliges Brummen drang an mein Ohr. Er w\u00e4lzte sich auf die Seite, schmatzte ein paar Mal mit den Lippen und schluckte, als w\u00fcrde er etwas essen ehe er wieder in tiefen Schlaf sank. Auf Zehenspitzen schlich hinaus und schloss leise die T\u00fcr. Nein, ich w\u00fcrde ihn nicht wecken. Aber jemand anderer auch nicht! Der Vorzimmerdrache war erwacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doris Pikal<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die alte Fernsehantenne vor dem Fenster schaukelte als sich ein Vogel darauf setzte. Das Gestell rieb sich an der Mauer. 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