{"id":791,"date":"2020-12-09T08:03:11","date_gmt":"2020-12-09T07:03:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/?p=791"},"modified":"2020-12-09T10:44:20","modified_gmt":"2020-12-09T09:44:20","slug":"ein-plaedoyer-fuer-die-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/?p=791","title":{"rendered":"Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Liebe"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Liebe<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Erz\u00e4hlung von Otto Pikal aus seinem Taxlerleben.<br>Mittlerweile sind weitere 10 Jahre vergangen und wir feiern unseren 40. Hochzeitstag.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war schon ziemlich sp\u00e4t in der Nacht, als eine junge Frau zu mir in das Taxi stieg. Sie wirkte ungl\u00fccklich. Ich war mir nicht sicher ob ich sie darauf ansprechen sollte. Ich beobachtete sie im R\u00fcckspiegel. Ein h\u00fcbsches Gesicht aber ihre Augen starrten ins Leere.<br>Ich habe im Lauf der Jahre die Erfahrung gemacht, dass es befreiend wirkt, einem Fremden seine Sorgen anvertrauen zu k\u00f6nnen, vielleicht sogar seinen Rat anzunehmen. Mitunter hatte ich helfen k\u00f6nnen. In den meisten F\u00e4llen bekam ich bereitwillig Antworten auf meine Fragen und das ermutigte mich, auch dieses Mal zu fragen.<br>Meine Frage ob sie ungl\u00fccklich sei beantwortete sie mit einer Gegenfrage.<br>\u201eSind Sie verheiratet?\u201c fragte sie.<br>Ich blickte in den R\u00fcckspiegel. Nein, sie sah nicht so aus, als ob sie auf ein Abenteuer aus w\u00e4re.<br>\u201eJa, ich bin verheiratet. Ich habe f\u00fcnf Kinder und eine ganz liebe Frau. N\u00e4chste Woche haben wir unseren drei\u00dfigsten Hochzeitstag. Wir lieben uns noch immer so, wie am ersten Tag. Nein, eigentlich lieben wir uns noch mehr als am ersten Tag. Die Liebe ist mit den Jahren gr\u00f6\u00dfer geworden. Meine Kinder sind nun schon erwachsen und bis auf einen Sohn sind alle verheiratet.\u201c<br>Ich schw\u00e4rmte ihr vor, dass ich nach so vielen Jahren immer noch Herzklopfen bekomme, wenn ich meine Frau zu Hause unvermittelt \u00fcber den Hof unseres Anwesens gehen sehe. Ich beschrieb ihr das Strahlen im Gesicht meiner Frau, wenn sie mich abends auf dem Heimweg im Taxi am Standplatz sitzen sah.<br>\u201eMeine Frau hat einmal gesagt: Ein Heiratsdokument ist keine Besitzurkunde sondern eine Schenkung. Nicht das Kriegen steht im Vordergrund, sondern das gegenseitige Geben und die Bed\u00fcrfnisse des anderen. Ob die Liebe bestehen bleibt h\u00e4ngt davon ab, wie f\u00fcrsorglich wir miteinander umgehen. Etwas zu bekommen ist eine Sache, etwas zu bewahren eine andere.<br>Ich sprach aber auch zu ihr \u00fcber meinen Glauben und die Einstellung meiner Kirche zur Ehe.<br>\u201eWir heiraten nicht bis dass der Tod uns scheidet. Wir heiraten f\u00fcr Zeit und Ewigkeit. Wir schlie\u00dfen einen Bund, der \u00fcber das irdische Leben hinausgeht, weil wir nicht glauben, dass das Leben mit dem Tod zu Ende ist!\u201c<br>Als ich geendet hatte schwieg sie.<br>Hatte ich das Falsche gesagt? Hatte sie etwas anderes h\u00f6ren wollen?<br>Es geh\u00f6rt zu unseren Prinzipien, dass Mann und Frau rechtm\u00e4\u00dfig miteinander verheiratet sein sollen. Dazu geh\u00f6rt auch, dass jedes Kind ein Anrecht auf Vater und Mutter hat und in einem Heim der Geborgenheit aufwachsen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Schweigend fuhren wir weiter. Die junge Frau war sichtlich bewegt und k\u00e4mpfte mit Tr\u00e4nen.<br>Als wir am Ziel angekommen waren begann die junge Frau zu sprechen.<br>\u201eIch habe vor einiger Zeit einen jungen Mann kennengelernt. Vor ein paar Tagen hat er um meine Hand angehalten. Ich wei\u00df, in einer Zeit, in der sich nur mehr wenige zu so einem Schritt entschlie\u00dfen, ist das etwas Besonderes, aber die Ehe meiner Eltern mitzuerleben war die H\u00f6lle f\u00fcr mich. Nun habe ich Angst, dass es mir einmal ebenso ergehen wird. Ich habe Zweifel, ob die Liebe bestehen kann. Ob man auch noch nach vielen Jahren sagen kann, dass man einander lieb hat.\u201c<br>Sie wischte sich mit der Hand \u00fcber die Wangen.<br>\u201eIch glaube auch an Gott, so wie Sie, und ich habe gebetet. Ich habe nicht gewusst, wie ich mich entscheiden soll und habe ihn um eine Antwort gebeten. Jetzt habe ich sie erhalten.\u201c<br>Sie l\u00e4chelte mich unter Tr\u00e4nen an und &nbsp;stieg aus. Ein junger Mann erwartete sie. Sie rannte auf ihn zu und umarmte ihn. Fast w\u00e4ren sie beide umgefallen.<br>Ich fuhr mit einem gl\u00fccklichen Gef\u00fchl im Herzen weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube an die Liebe und dass sie ewig halten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Doris Pikal<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Liebe Nach einer Erz\u00e4hlung von Otto Pikal aus seinem Taxlerleben.Mittlerweile sind weitere 10 Jahre vergangen und wir feiern unseren 40. Hochzeitstag. Es war schon ziemlich sp\u00e4t in der Nacht, als eine junge Frau zu mir in &hellip; <a href=\"https:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/?p=791\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-791","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-veranstaltungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/791","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=791"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/791\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":798,"href":"https:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/791\/revisions\/798"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=791"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=791"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pikal.at\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=791"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}